Rückblick auf die Retro Classics Stuttgart 2025

Zeitzeichen

Porsche und Mercedes-Benz soweit das Auge reicht. Wo, wenn nicht in der Heimatstadt dieser Marken ist genau dies auf einer Oldtimermesse zu erwarten. Natürlich hat die Stuttgarter Retro Classics von 27. Februar bis 2. März eine leichte Daimler-Porsche-Schlagseite gehabt. Doch blieb es dort eben nicht dabei: Schon immer wussten die Veranstalter mit Sonderschauen, Clubständen und Teilemarkt sowie üppigem Rahmenprogramm geschickt dagegen anzusteuern. Langweilig war die diesjährige Retro Classics nicht. 70 Jahre Citroën DS, 60 Jahre Opel Kadett B, 50 Jahre Opel Manta/Ascona B, dazu eine Halle, die sich weitgehend US-Klassikern und dem American Way of Life – pardon, Drive – widmet: Das Unterhaltungsprogramm war weit gefasst, zudem feierte die Lkw-Halle ihre Rückkehr. Also alles in Butter, oder? Bei genauem Hinsehen offenbarten sich dann doch einige Lücken in der Teilemarkt-Halle, fielen bisweilen sehr breit angelegte Gänge auf, und auch manche Programmpunkte wirkten eher routiniert. 77.000 Besucher vermeldeten die Veranstalter. Das ist mehr als im Vorjahr, aber weniger als zu Vor-Corona-Zeiten.

Hochgeladenes Bild Früher war mehr Lametta: Es parken zwar nicht mehr so viele Klassiker wie einst auf der Messe-Piazza, doch noch immer lohnt hier das Flanieren

An den Clubständen lag es nicht: Hier wurde wie üblich phantasievoll gestaltet, waren Gäste gern gesehen und tauchten wieder einmal überraschende Fahrzeuge auf. Über Exoten wie Yugo oder Mitsubishi Lancer freut man sich längst auch unter den Mercedes-Liebhabern, und ein VW-Bus T4 in Uniform, zu sehen auf dem Stand des Polizei-Museums Stuttgart, ist mittlerweile halt auch rund 30 Jahre alt. Die Zeit vergeht!

Hochgeladenes Bild Top-Klassiker: Dieser Yugo gehörte einst zum Fuhrpark von OLDTIMER MARKT

Die Dinge ändern sich langsam aber stetig, das Publikum wird im Durchschnitt älter. Aber eben nicht nur: Tatsächlich waren 2025 auffallend viele Besucher unter 30, und wer sich zunächst am youngtimerlastigen Angebot der Fahrzeughändler störte, merkte bald, dass dieses bereits auf die jüngere Zielgruppe ausgelegt war. Um Golf II Rallye, BMW 750 iL und Peugeot 205 GTI scharten sich mehr Interessenten als um Opel Manta A, VW T1 Samba oder Porsche 356. Man merkte es auch bei der jährlichen Classicbid-Auktion in Halle 1, auf der nur acht von über 50 Fahrzeugen direkt versteigert wurden; überwiegend jüngere Mobile zu Preisen unter 30.000 Euro.

Hochgeladenes Bild Kurzer Plausch mit Walter Röhrl. Der Rallye-Weltmeister machte sich für E-Fuels stark

Das unterm Strich durchaus nicht pessimistische Fazit: Im Bereich für kleinere bis mittlere Geldbeutel ist das Interesse ungebrochen, und hier dürften sich auch weiterhin die Nachwuchssorgen in Grenzen halten. Auffallend auch die vielen Sonderangebote der Modellautohändler in Halle 4, auch in diesem Segment findet sich ein neues Publikum am ehesten über den Preis.

Über den Tellerrand blicken hilft. Rallye-Ikone Walter Röhrl, am Wochenende zu Gast für eine Autogrammstunde, setzt sich mit Blick auf die Zukunft für die Weiterentwicklung von E-Fuels ein. So schnell wird der Verbrenner nicht untergehen, nur Schwerpunkte des Hobbies verlagern sich. Und das einst nicht enden wollende Gerede vom „Garagengold“ dürfte bald der Vergangenheit angehören – die Szene lebt. Die Retro Classics Stuttgart – zuhause auf einem der modernsten Messegelände Deutschlands – ist und bleibt ein wichtiger Teil davon. Auch wenn es wünschenswert wäre, wieder weniger Käse-, Wein-, Möbel- oder Whirlpool-Stände dort zu sehen, und dafür bald wieder eine gut gefüllte Teilemarkthalle zu erleben. Auf die 25. Retro Classics im Februar 2026 darf man in jedem Fall gespannt sein!

Fotos db, ajo, Retro Messen GmbH