Film

Autos wie wir

Vor 20 Jahren gelingt den Pixar-Machern etwas Besonderes: Mit „Cars“ erschaffen sie einen Animationsstreifen, den sich fünfzigjährige Oldtimerfans genauso gerne anschauen wie fünfjährige Jungs. Was auch daran liegt, dass die Filmemacher damals Nachhilfe in Automobilgeschichte nehmen. So weist die Story des Ex-Racers Doc Hudson, im Original gesprochen von Paul Newman, Parallelen zur Biografie von NASCAR-Ass Herb Thomas auf. Dem Hudson-Werksfahrer gelang in den Fünfzigern nach einem schweren Unfall ebenfalls kein erfolgreiches Comeback mehr. Überhaupt sind die Figuren grandios: So ist Fillmore, der psychedelisch bemalte VW T1, ständig bekifft, während Sarge, ein Willys MB, als Kriegsveteran meist im Befehlston spricht. Zu Beginn der Produktion mussten sich die Leute um Pixar-Mastermind John Lasseter jedoch erst einmal ganz wesentliche Fragen stellen. Zum Beispiel, wo bei einem Auto die Augen sitzen. Anders als bei anderen anthropomorphen Comic-Autos blinzeln Lightning McQueen, Hook und Co. aus dem Windschutzscheibenrahmen anstatt Cartoon-Augen in den Scheinwerfern zu tragen. „John war der Meinung, es hätte etwas schlangenhaftes, wenn die Augen so nah am Mund sitzen“, erinnert sich Pixar-Urgestein Bob Pauley heute. Die Idee für einen Auto-Film geistert indes schon seit 1998 durch das Studio. Damals entsteht ein Script namens „The Yellow Car“ über ein Elektroauto, das als automobilisierte Version des hässlichen Entleins in einer Welt voller Spritschlucker lebt. Im Jahr 2006 spielt „Cars“ an den Kinokassen weltweit über 462 Millionen US-Dollar ein. Es folgen noch zwei Fortsetzungen, die vermutlich vor allem dazu dienen, noch mehr Spielzeugautos, Brotdosen und Bettwäsche zu verkaufen. So viel Seele wie der erste Teil haben sie nicht, doch das ist auch schwer möglich.