Als alles begann
- 13. Januar 2026
- Red. OLDTIMER MARKT
Wenn das 20. Jahrhundert einen Geburtstag hat, dann ist es nicht etwa der 1. Januar 1900. Es ist der 29. Januar 1886, denn an jenem Tag meldete Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ beim Kaiserlichen Patentamt an. Die Erfindung des Mannheimers, die die Welt des folgenden Jahrhunderts prägte wie kaum eine zweite, war über das Jahr 1885 so weit gediehen, dass Benz die Zeit gekommen sah, sich sein dreirädriges, beinahe filigran wirkendes Gefährt mit Fahrradrädern und liegendem Einzylinder schützen zu lassen. Schließlich arbeiteten zeitgleich auch andere Tüftler und Unternehmer an ähnlichen Konstruktionen. Im Gegensatz zu Benz hielten die meisten allerdings am Dampfantrieb fest. Benz hingegen setzte – genau wie Daimler und Maybach bei ihrem Reitwagen (siehe OLDTIMER MARKT 12/2025) – auf den Viertaktmotor. Die Patentierung vor 140 Jahren markierte letztlich nicht nur die Geburtsstunde des Automobils, sondern auch den Beginn eines Umbruchs: Individuelle Mobilität war fortan nicht länger von der eigenen Muskelkraft oder den Launen eines Pferdes abhängig, sondern von einer menschengemachten Maschine. Die Welt rückte näher zusammen, weil der Faktor Zeit beim Reisen künftig eine eher untergeordnete Rolle spielte. Welche Rolle das Automobil nur wenige Jahrzehnte später spielen würde, ahnte Carl Benz natürlich ebenso wenig wie seine Zeitgenossen, die im Juni 1886 erstmals in der Zeitung über öffentliche Ausfahrten des Motorwagens lesen konnten. Der erste Kunde war 1887 Émile Roger aus Paris, der bereits ein Jahr vor Bertha Benz’ legendärer Fernfahrt von Mannheim nach Pforzheim („Tanken“ in der Apotheke nachgestellt fürs Foto) ein Dreirad kaufte. Die Patentschrift DRP 37435, ausgegeben am 2. November 1886, ist inzwischen Weltdokumentenerbe.
