Autodiebstahl

Alles nur geklaut

Die Geschichte des Autodiebstahls begann vor 130 Jahren in Paris, als der Peugeot eines Barons plötzlich verschwand. 130 Jahre später ist die Autoschieberei ein Millionengeschäft. Der größte Autodieb aller Zeiten saß jedoch in Nordkorea und klaute ausschließlich Volvos…

Ob der Mechaniker die Motorkutsche des Barons verhökern oder einfach nur eine vergnügliche Spritztour unternehmen wollte, verliert sich in der Geschichte. Und natürlich können nach 130 Jahren weder Zeitzeugen noch deren direkte Nachfahren befragt werden. Fakt ist jedoch: Als der Peugeot Typ 7 von Étienne van Zuylen van Nyevelt aus einer Pariser Werkstatt verschwand, ist es der erste Autodiebstahl der Geschichte. Das Automobil wurde später in einem Nachbarort gefunden, der Dieb kam hinter Gitter. Langfinger, die sich ein Auto ungefragt unter den Nagel rissen, gab es also schon kurz nach dessen Erfindung. Eine Zeit lang war es sogar eine Art Mode, Autos „zum Spaß“ zu klauen. Den meist jugendlichen Tätern reichte ein umgebogener Kleiderbügel oder ein hakenförmiger Metallstreifen („Slim Jim“), um in einen Wagen zu gelangen, der ihnen gefiel. Nach der Spaßfahrt ließen die frechen Diebe das Auto meist irgendwo stehen – sehr zum Ärger des Bestohlenen. Der organisierte Autodiebstahl kam schließlich in den Siebzigern in Fahrt, vor allem für Kunden im Nahen Osten, die Luxusautos per Telefon oder Telex orderten. Heute ist der Kraftfahrzeugdiebstahl ein Milllionengeschäft und fest in den Händen krimineller Banden, die international und arbeitsteilig agieren. Musste man zu Baron van Zulyens Zeiten nur wissen, wie man den Motor ankurbelt, so braucht es zum „Knacken“ moderner Autos elektronische Hilfsmittel wie Jammer oder Decoder, weil Wegfahrsperren und Funkfernbedienungen manipuliert werden müssen.

Den größten Autodiebstahl der Geschichte hat übrigens der „Große Führer Genosse Kim Il-sung“ (1912-1994) durchgezogen, der Großvater von Moppel-Diktator Kim Jong-un. 1973 bestellte Kim Il-sung 1000 gut ausgestattete Volvo 144 in tannengrün. Schweden bürgte für die Bestellung, da man glaubte, einen wichtigen Handelspartner gewinnen zu können. Volvo lieferte, Nordkorea zahlte jedoch nie – und erhält bis heute zweimal im Jahr eine Rechnung aus Schweden, die sich mit Zinsen und Gebühren inzwischen auf umgerechnet 300 Millionen Euro belaufen soll.